Zum Inhalt springen
☎ Anrufen Angebot anfragen

Transport-Glossar: Speditionsbegriffe aus der Praxis

Was heißt eigentlich Standgeld, was unterscheidet Thermo von Frigo, und wann greift die 1000-Punkte-Regel? Die wichtigsten Begriffe aus unserem Disponenten-Alltag, kompakt erklärt.

Direkttransport

Beim Direkttransport fährt das Fahrzeug ohne Umladung und ohne Umweg über Umschlaglager vom Absender zum Empfänger. Vorteil: kürzeste Laufzeit und minimales Schadensrisiko, weil die Ware nach dem Verladen nicht mehr angefasst wird.

Sammelgut

Beim Sammelgutverkehr werden viele kleine Sendungen verschiedener Kunden über Umschlag-Hubs gebündelt. Günstig für unkritische Ware, aber mit längeren Laufzeiten und mehrfachem Handling verbunden – das Gegenmodell zur Direktfahrt.

Sonderfahrt

Eine außerplanmäßige, exklusive Fahrt für eine eilige Sendung – oft noch am selben Tag. Das nächstgelegene passende Fahrzeug fährt direkt zur Abholung und ohne Stopp zum Empfänger.

Sprinter, 7,5-Tonner, Sattelzug

Die drei Standard-Fahrzeugklassen im Direktverkehr: Sprinter bis etwa 1,2 t Nutzlast und 4 Paletten, 7,5-Tonner bis etwa 2,5 t und 15 Paletten, Sattelzug bis etwa 24 t und 33 Paletten auf 13,6 Ladametern.

Megatrailer

Ein Sattelauflieger mit 3 Metern Innenhöhe statt der üblichen 2,70 m – bei gleicher Länge. Wichtig für voluminöse Güter wie Automotive-Gitterboxen in Doppelstock-Verladung.

Hebebühne (LBW)

Die Ladebordwand am Fahrzeug ermöglicht Be- und Entladung ohne Rampe oder Stapler – entscheidend bei Anlieferungen an Baustellen, Filialen oder Privatadressen ohne Verladetechnik.

ADR-Transport

Ein Transport gefährlicher Güter nach dem europäischen ADR-Übereinkommen: klassifizierte Ware (Klassen 1–9), geschulte Fahrer, gekennzeichnete Fahrzeuge und vollständige Beförderungspapiere nach Abschnitt 5.4.1.

1000-Punkte-Regel

Die Erleichterung im ADR für Kleinmengen: Bleibt die Punktesumme einer Gefahrgut-Ladung unter 1000, entfallen Teile der Vorschriften wie die orangefarbene Kennzeichnung – Beförderungspapier und Verpackungsvorschriften gelten trotzdem.

Kühlkette (2–8 °C / 15–25 °C)

Die durchgehend dokumentierte Temperaturführung empfindlicher Ware. Typische Korridore: 2–8 °C für Pharma und Frische, 15–25 °C für temperaturkontrollierte Lagerware, minus 18 °C für Tiefkühl – nachgewiesen per Datenlogger.

Thermo- und Frigo-Fahrzeuge

Isolierte Fahrzeuge ohne (Thermo) oder mit aktivem Kühlaggregat (Frigo/FRC nach ATP-Klassifizierung). Frigo-Fahrzeuge halten eingestellte Temperaturen unabhängig von der Außentemperatur.

Standgeld

Die Vergütung für Wartezeiten des Fahrzeugs an Lade- oder Entladestelle über die vereinbarte freie Zeit hinaus – üblich sind ein bis zwei freie Stunden, danach wird je angefangener Stunde berechnet.

Palettentausch

Die Rückgabe tauschfähiger Europaletten Zug um Zug bei der Anlieferung. Ohne Tauschvereinbarung gilt die Palette als Einwegverpackung – relevant für Kosten und Reklamationen.

CMR-Haftung

Die Haftung des Frachtführers im internationalen Straßengüterverkehr: begrenzt auf 8,33 Sonderziehungsrechte je Kilogramm (rund 10 Euro/kg). Für höherwertige Ware schließt man eine Transportversicherung zum vollen Warenwert ab.

Vor- und Nachlauf

Die LKW-Strecken vor und nach einem Haupttransport per See- oder Luftfracht: vom Absender zum Hafen/Flughafen (Vorlauf) und vom Ankunftsort zum Empfänger (Nachlauf).

Gefährliche Güter vs. High-Value

Zwei getrennte Sonderklassen: Gefahrgut verlangt ADR-Konformität, hochwertige Ware (High Value) verlangt Sicherheitsmaßnahmen wie Sealed Trailer, geplante Parkplätze und lückenlose Sendungsverfolgung.

Zollunion EU–Türkei

Industriegüter zirkulieren zwischen EU und Türkei zollfrei, nachgewiesen mit der A.TR-Warenverkehrsbescheinigung. Agrarwaren fallen nicht darunter. Die Türkei-Direktfahrt läuft daher mit A.TR plus Versandverfahren bis zur türkischen Abfertigung.

Lademeter (LDM)

Der Lademeter ist die zentrale Kalkulationsgröße im Straßengüterverkehr: Er bezeichnet einen laufenden Meter Ladefläche über die gesamte Fahrzeugbreite von 2,40 m, entspricht also rund 1,2 Palettenreihen. Ein Standard-Sattelzug bietet 13,6 LDM. Sperrige oder nicht stapelbare Ware wird nicht nach Gewicht, sondern nach beanspruchten Lademetern berechnet – ein Umrechnungsfaktor (üblich 1 LDM ≈ 1.850 kg) verhindert, dass leichte Volumengüter zu günstig transportiert werden.

Avisierung / Zeitfenster

Avisierung ist die verbindliche Vorabmeldung einer Anlieferung bei der Empfangsstelle, meist verbunden mit einem gebuchten Zeitfenster. Viele Handelslager, Werke und Kliniken nehmen Ware nur innerhalb eines fest zugewiesenen Slots an; wer zu früh oder zu spät kommt, wartet oder wird abgewiesen. Für die Disposition ist das Zeitfenster ein harter Fixpunkt, um den herum Abholung, Fahrtzeit und Pausen des Fahrers geplant werden.

Zurrgurt / Formschluss / Kraftschluss

Ladungssicherung erfolgt über zwei physikalische Prinzipien. Beim Formschluss wird die Ladung lückenlos an feste Begrenzungen (Stirnwand, andere Packstücke) gestellt, sodass sie sich gar nicht erst bewegen kann. Beim Kraftschluss presst das Niederzurren mit Zurrgurten die Ware über Reibung auf die Ladefläche. In der Praxis kombiniert der Fahrer beides und dokumentiert die Sicherung – Grundlage sind die VDI-Richtlinie 2700 und § 22 StVO.

Wechselbrücke (WAB)

Eine Wechselbrücke ist ein genormter, absetzbarer Ladungsträger, der über ausklappbare Stützbeine ohne Kran vom Fahrzeug abgestellt werden kann. So lässt sich die Zugmaschine sofort weiterdisponieren, während die Wechselbrücke am Standort be- oder entladen wird. WABs sind das Rückgrat des Stückgut- und KEP-Verkehrs, weil sie Standzeiten des teuren Motorwagens minimieren.

Tautliner / Curtainsider

Der Tautliner (auch Curtainsider oder Planenauflieger) ist der meistverbreitete Sattelaufliegertyp: Statt fester Bordwände hat er verschiebbare Planen an den Längsseiten. Das erlaubt seitliche Be- und Entladung per Stapler auf ganzer Länge – ein klarer Zeitvorteil gegenüber dem reinen Heckladen. Für den Direktverkehr ist er der flexible Allrounder für Paletten- und Stückgutladungen.

Beiladung

Bei einer Beiladung wird eine Teilsendung auf freien Laderaum eines bereits disponierten Fahrzeugs mitgenommen, das ohnehin in die passende Richtung fährt. Der Kunde teilt sich Fahrzeug und Route mit anderen Sendungen und zahlt nur die genutzten Lademeter – günstiger als eine exklusive Direktfahrt, aber mit weniger fixem Termin, weil die Route von der Hauptladung bestimmt wird.

Nutzlast vs. zulässiges Gesamtgewicht

Das zulässige Gesamtgewicht (zGG) ist die gesetzliche Obergrenze für Fahrzeug plus Ladung – beim Sattelzug 40 t, beim Sprinter meist 3,5 t. Die Nutzlast ist der Teil davon, der tatsächlich für Ware bleibt: zGG minus Leergewicht des Fahrzeugs. Weil Aufbauten, Hebebühne oder ein voller Tank das Leergewicht erhöhen, ist die reale Nutzlast oft geringer als erwartet – ein häufiger Grund für Umdisposition kurz vor der Beladung.

Kabotage

Kabotage bezeichnet Transporte innerhalb eines Landes, die von einem Frachtführer aus einem anderen EU-Staat durchgeführt werden. Erlaubt sind sie nur eingeschränkt: nach einer grenzüberschreitenden Anlieferung sind in Deutschland maximal drei Inlandsfahrten innerhalb von sieben Tagen zulässig. Die Regeln schützen den nationalen Markt und sind seit dem EU-Mobilitätspaket dokumentationspflichtig.

Maut / e-TOLL / Toll Collect

Die streckenbezogene Lkw-Maut wird in Deutschland über das System von Toll Collect erhoben und richtet sich nach gefahrenen Kilometern, Achszahl und Emissionsklasse – seit 2023 zusätzlich mit CO₂-Komponente. In anderen EU-Ländern gelten eigene Systeme wie e-TOLL in Polen oder die GO-Maut in Österreich. Für die Kalkulation einer EU-Direktfahrt sind diese Mautkosten ein fester, streckenabhängiger Posten.

Umweltzone / grüne Plakette (Berlin)

Umweltzonen sind ausgewiesene Innenstadtbereiche, die nur Fahrzeuge mit ausreichender Schadstoffklasse befahren dürfen. In Berlin gilt seit 2010 flächendeckend die grüne Plakette (Schadstoffgruppe 4); Fahrzeuge ohne sie riskieren Bußgeld. Für Anlieferungen ins Berliner Zentrum stellt die Disposition sicher, dass ausschließlich plakettenberechtigte Fahrzeuge eingesetzt werden.

Just-in-Time / Just-in-Sequence (JIT/JIS)

Just-in-Time bedeutet, dass Material genau zum Bedarfszeitpunkt an die Produktion geliefert wird, um Lagerbestände zu vermeiden. Just-in-Sequence geht einen Schritt weiter: Die Teile treffen nicht nur pünktlich, sondern auch in der exakten Verbaureihenfolge des Bandes ein. Beides verlangt minutengenaue, hochzuverlässige Transporte – typisch in der Automobilzulieferung, wo eine verspätete Sendung das Band stoppen kann.

CMR-Frachtbrief

Der CMR-Frachtbrief ist das Beförderungsdokument für den grenzüberschreitenden Straßengüterverkehr nach dem CMR-Übereinkommen. Er begleitet die Sendung, weist Absender, Empfänger, Ware und Übernahmezustand aus und dient als Beweisurkunde über den Frachtvertrag und den Zustand der Ware bei Übergabe. Bei Schäden oder Verlust ist der ausgefüllte und quittierte CMR die Grundlage für Haftungs- und Versicherungsfragen.

Fragen zu Ihrem Transport?

Unsere Disposition erklärt Ihnen gern, was für Ihre Sendung gilt – 24/7 erreichbar, Festpreis in wenigen Stunden.